Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Häufig gestellte Fragen zum Strahlenschutz in Japan

22.11.2017 - FAQ

Stand: August 2017

Bitte beachten Sie neben unserem generellen Haftungsausschluss den folgenden wichtigen Hinweis: Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie eine Haftung für eventuell eintretende Schäden kann nicht übernommen werden.

FAQ

Die japanischen Strahlenschutzregelungen sehen für Arbeiter in Kernkraftwerken einen oberen Grenzwert von 50 Millisievert/Jahr (mSv/J) vor, in Verbindung mit der Regelung, dass eine effektive Dosis von 100 mSv summiert über einen Zeitraum von 5 Jahren nicht überschritten wird. Bei einer Notfallsituation wie dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima I gilt eine einmalige Strahlenexposition von 250 mSv effektiver Dosis für Einsatzpersonal zur Krisenbewältigung.

Für die Bevölkerung in den höher belasteten Gebieten außerhalb der Evakuierungszone gelten gegenwärtig noch max. 20 mSv/J; in einer späteren Phase wird 1 mSv/J angestrebt. Die japanische Regierung richtet sich damit nach dem unteren Wert, den die Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP) unter den Bedingungen einer „existierenden Expositionssituation” für die allgemeine Bevölkerung empfohlen hat.

Die seit dem 1. April 2012 geltenden Grenzwerte für Radionuklide in Lebensmitteln sehen folgende Vorsorge-Grenzwerte für Caesium-134+137 vor: 10 Becquerel/kg (Bq/kg) für Mineralwässer und Tee, 50 Bq/kg für Milch, Molkereiprodukte und Kleinkindnahrung und 100 Bq/kg für alle anderen Lebensmittel. Produkte, die diese Werte überschreiten, dürfen in Japan nicht in Verkehr gebracht werden.

Lebensmittel werden regelmäßig von den japanischen Behörden untersucht. Lebensmittel, die Caesiumrückstände oberhalb der Vorsorge-Grenzwerte enthalten, dürfen in Japan nicht in den Verkehr gebracht werden. Leitungswasser wird in allen Präfekturen auf Basis täglicher Probennahmen regelmäßig auf seine Eignung als Trinkwasser sowohl für die Allgemeinheit als auch für Schwangere und Kleinkinder untersucht.

Der Vorsorge-Grenzwert bezieht sich auf die Summe der Caesium-Isotope 134 und 137. Beide Isotope kamen nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima I in etwa gleichen Mengen vor. Jedem Isotop ist ein spezifischer Dosiskoeffizient zugeordnet, der die Wirkung auf den gesamten Körper einer Person als effektive Dosis darstellt und in μSv/Bq angegeben wird. Hieraus lässt sich die Dosis einer Mahlzeit oder (hochgerechnet) des Jahresverzehrs berechnen.

Beispiel: Gemüse

(Mahlzeit von 0,5 kg)

Cs-134: 0,5 kg x 50Bq/kg x 0,019 μSv/Bq = 0,5 μSv

Cs-137: 0,5 kg x 50Bq/kg x 0,013 μSv/Bq = 0,3 μSv

Die gesamte effektive Dosis einer solchen Mahlzeit würde 0,8 μSv (= 0,0008 mSv) betragen.

Beispiel: Fisch oder Fleisch

(Mahlzeit von 0,2 kg)

Cs-134: 0,2 kg x 50Bq/kg x 0,019 μSv/Bq = 0,2 μSv

Cs-137: 0,2 kg x 50Bq/kg x 0,013 μSv/Bq = 0,1 μSv

Die gesamte effektive Dosis einer solchen Mahlzeit würde 0,3 μSv (= 0,0003 mSv) betragen. Im menschlichen Körper halbiert sich die Restaktivität etwa alle 100 Tage (effektive Halbwertzeit: s. a. Antwort auf letzte Frage).

Die aktuellen Werte der Dosisleistung in Japan können auf der nach Präfekturen geordnet nachgesehen werden. Vergleichswerte in Deutschland können auf der eingesehen werden.

Es besteht mit Ausnahme der gesperrten Gebiete um die Reaktoren des Kernkraftwerks Fukushima I (s. u.) kein Grund, wegen der Strahlenbelastung den Kindern das Spielen im Freien zu verbieten.

Hier ist die Situation schwieriger, da die Flächen nicht gleichmäßig belastet sind. Auch außerhalb der 30 km-Zone gibt es höher kontaminierte Flächen. Die Gebiete mit erhöhter Radioaktivität sind inzwischen bekannt, auch die z. T. kleinräumigen Unterschiede. Da die Dosis proportional zur Zeit der Exposition ist, kann eine Fahrt auch in die höher belasteten Gebiete ohne Bedenken angetreten werden. Die extrem hoch belasteten Regionen sind für Besucher gesperrt.

Hot Spots sind relativ hoch kontaminierte, lokal begrenzte Gebiete, zu denen radioaktive Partikel durch atmosphärische Ausbreitung transportiert wurden und wo es durch Regen oder Schnee zu einer erhöhten Ablagerung auf Oberflächen gekommen ist. Diese Gebiete sind weitgehend bekannt. Für einen kurzzeitigen Aufenthalt in solchen Bereichen ist die Strahlenbelastung ohne Bedeutung.

Die nach der Havarie im Kernkraftwerk Fukushima I ausgetretenen radioaktiven Substanzen sind inzwischen entweder abgebaut (Jod-131 hat eine Halbwertszeit von rund acht Tagen) oder fest im Boden gebunden (Caesium-134/137). Mundschutz oder Atemmasken sind außer bei Aufenthalt in der näheren Umgebung der Reaktoren nicht notwendig.

Die nicht unbeträchtliche finanzielle Aufwendung für ein vernünftiges Dosimeter (600 EUR und mehr) erscheint nicht notwendig. Zudem ist es für Laien schwierig, die Messwerte zu interpretieren. Es ist besser, sich an den Empfehlungen der Behörden zu orientieren.

Nein. Hierfür benötigt man spezielle Messgeräte, die nicht einfach zu bedienen sind und auch nicht ohne weiteres transportiert werden können. Ggf. muss unterschieden werden nach Alpha-, Beta-, und Gamma-Messgeräten. Zur quantitativen Bestimmung von Radionukliden in Lebensmitteln werden sehr teure, hochwertige Gamma-Spektrometer und zusätzliche Auswerteprogramme benötigt. Die Proben müssen zudem erst chemisch aufbereitet werden.

Aufgrund des Temperaturverlaufs in den Unfallreaktoren wurden im Wesentlichen nur leicht flüchtige Radionuklide (das sind solche mit niedrigem Siedepunkt) freigesetzt. Radiologisch relevant sind davon:

  • Jod-131: Halbwertszeit acht Tage (Einlagerung in die Schilddrüse).
  • Caesium-134: physikalische Halbwertszeit ca. zwei Jahre, effektive Halbwertszeit im menschlichen Körper ca. 100 Tage (ähnlich wie Kalium Einlagerung insbesondere ins Muskelgewebe)
  • Caesium-137: physikalische Halbwertszeit 30 Jahre, effektive Halbwertszeit im menschlichen Körper ca. 100 Tage (ähnlich wie Kalium Einlagerung insbesondere ins Muskelgewebe)

Effektive Halbwertszeit: die Zeitspanne, in der in einem biologischen Organismus (Mensch, Tier, Pflanze, Einzeller) der Gehalt eines radioaktiven Stoffes durch biologische Prozesse (Stoffwechsel, Ausscheidung) und radioaktiven Zerfall auf die Hälfte abgesunken ist. Strontium-89, Strontium-90 und Plutoniumisotope sind auf Grund ihres hohen Siedepunktes nur in geringem Maße freigesetzt worden, sodass sie keine Relevanz für die Strahlenbelastung haben. Auch andere Radionuklide, die freigesetzt wurden, tragen wenig zur Dosis bei, werden aber bei Dosisabschätzungen berücksichtigt. Gegenwärtig relevant sind nur noch die oben genannten Caesiumnuklide.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema Strahlenschutz können auf den folgenden Websites abgerufen werden:

Weiterführende Informationen zum Thema Strahlenschutz

nach oben