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Artikelreihe des Generalkonsuls in der Tageszeitung Kobe Shimbun Nr. 3: "Der Geist der Musik"  

ライプツィヒにあるバッハの銅像/Bach-Denkmal in Leipzig

ライプツィヒにあるバッハの銅像/Bach-Denkmal in Leipzig, © ©picture alliance / Zoonar

06.07.2021 - Artikel

 Es gibt in der deutschen Sprache ein Sprichwort: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

ピアニストの辻井伸行 / Pianist Nobuyuki Tsujii
ピアニストの辻井伸行 / Pianist Nobuyuki Tsujii© ©dpa

Es gibt in der deutschen Sprache ein Sprichwort: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Der einfache und schöne Gedanke dahinter ist, dass die Musik im Menschen das Beste weckt, dass ein musisches Gemüt nicht zu Gewalt und Gemeinheit neigt, und natürlich auch, dass die Musik im besten Sinne Gemeinschaft stiftet.


Natürlich gibt es ein paar Gegenbeispiele, hässliche Spottgesänge, aggressive und boshafte Klänge. Aber jeder Mensch mit nur ein wenig Musikalität im Gemüt wird leicht erkennen, dass es sich dabei um pathologische Ausnahmen handelt.


Musik ist völkerverbindend, die gemeinsame Sprache des Menschengeschlechts. Das ist eine Erfahrung, die gerade wir Deutschen und Japaner immer wieder machen. Das liegt gewiss auch daran, dass sie wie keine andere Kunst direkt zu unserem Herzen spricht. Daran musste ich vor kurzem wieder denken, als ich ein Konzert von Nobuyuki Tsujii hörte. Er spielte seine eigene Komposition, die er den Opfern der Tsunami-Katastrophe von 2011 gewidmet hatte. Nicht nur dem Pianisten kamen dabei die Tränen.


Und doch erschöpft sich die Musik nicht in Gefühl, denn sehr oft trägt sie in sich eine Botschaft. Und wenn es große Musik ist, dann geht es darin um die großen Themen der Menschheit – Leben und Tod, Liebe und Gott. Für mich sind die Werke von Johann Sebastian Bach das schönste Beispiel dafür. Seine Musik ist geprägt von seinem christlichen Glauben. Daher kommt auch die unglaubliche Kraft und Zuversicht, die seine Werke verströmen. Die Musik eines Bach wirkt unmittelbar tröstlich und ermutigend. Wenn ich in meinem Leben nur noch eine Art Musik hören dürfte, dann würde ich Barockmusik wählen.


Aber welche Musik auch immer man bevorzugt, klassische oder zeitgenössische, europäische oder asiatische, sie ist uns allen zugänglich. Man muss kein Berufsmusiker sein, nicht einmal ein Instrument spielen können. Musik ist für jedermann da. Ich lasse mich jedenfalls immer gern dort nieder, wo man singt, oder auch nur gemeinsam Musik hört.


Martin Eberts

(erschienen in der Abendsausgabe der Artikelreihe Kobe Shimbun am 16.07.2021)

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