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Artikelreihe des Generalkonsuls in der Tageszeitung Kobe Shimbun Nr. 3: "Ein historisches Wunder"  

第2次世界大戦後―チェコスロバキアを追われたドイツ人/Nachkriegszeit - Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei

第2次世界大戦後―チェコスロバキアを追われたドイツ人/Nachkriegszeit - Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, © ©picture-alliance / dpa

06.07.2021 - Artikel

 Wenn man heute in Deutschland über Flüchtlinge redet, dann denkt fast jeder sogleich an Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus Afrika...


Wenn man heute in Deutschland über Flüchtlinge redet, dann denkt fast jeder sogleich an Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten und aus Afrika. Auch das Straßenbild scheint diesen Eindruck zu bestätigen: Flüchtlinge und Migranten der letzten fünf bis sechs Jahre stammen offenbar vor allem aus diesen Weltgegenden.
 
Auch in meiner Kindheit, in den 1960er Jahren, sprach man in Deutschland manchmal von Flüchtlingen. Sie waren sehr viel zahlreicher, aber in der Öffentlichkeit unsichtbar, und sie gaben auch keinen Anlass zu erhitzten Debatten oder politischem Streit. Ich spreche von den Millionen Deutschen, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat vertrieben worden waren.


Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlor Deutschland im Osten ca. ein Viertel seines früheren Territoriums. Bis auf geringe Ausnahmen wurden die dort lebenden Deutschen aus ihrer Heimat vertrieben. Ebenso erging es den vielen deutschen Minderheiten in den Ländern Ost-, Ostmittel- und Südosteuropas. Insgesamt verloren in jener Zeit rund zwölf Millionen Deutsche ihre Heimat und mussten im kriegszerstörten und geteilten Nachkriegsdeutschland irgendwie unterkommen.


Wenn ich in meiner Grundschulzeit davon hörte, dass diese oder jene Familie „Flüchtlinge“ seien, dann ging es immer um diese deutschen Heimatvertriebenen. Für uns Kinder war das kein Problem, aber später verstanden wir, wie sehr die Elterngeneration der Flüchtlinge traumatisiert war.


Dennoch haben die deutschen Vertriebenen niemals Rache verlangt. Sie wussten, dass der von Deutschland angefangene Krieg letztlich der tiefere Grund für ihr Elend war, und sie setzten sich über Jahrzehnte für die Versöhnung mit den östlichen Nachbarn ein. Es ging ihnen nicht um Rückerstattung ihres verlorenen Eigentums, sondern um Aufbau einer gemeinsamen Zukunft mit unseren Nachbarvölkern im Osten. Dass das erreicht wurde, ist eigentlich ein historisches Wunder. Hinter dem Erfolg der Wiedervereinigung von 1990 und dem Ausgleich mit den östlichen Nachbarländern steckt auch ein großer Beitrag der Heimatvertriebenen.


Martin Eberts

(erschienen in der Abendsausgabe der Artikelreihe Kobe Shimbun am 01.07.2021)

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