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Artikelreihe des Generalkonsuls in der Tageszeitung Kobe Shimbun Nr. 2: "Bauhaus reloaded"  

06.07.2021 - Artikel
Bauhaus Dessau
Das Bauhaus Dessau, aufgenommen am 10.05.2017 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt)© dpa-Zentralbild

In fast allen Sprachen der Welt gibt es das Lehnwort „Design“; es wird in einer Vielzahl von Lebensbereichen verwendet, von der Architektur über den Automobilbau bis zur Mode. Die wenigsten unter uns wissen aber, woher der Begriff in seiner heutigen Bedeutung stammt.

In den 1920er Jahren wirkten zwei der Gründer des „Bauhauses“, der berühmten Architektur-Schule  in Mitteldeutschland, für einige Zeit in den USA. In New York angekommen berieten sie sich, wie wohl das in ihrer kreativen Arbeit in Deutschland entwickelte Wort „Gestaltung“ am besten ins Englische zu übersetzen sei. Dieses deutsche Wort beschreibt die Verbindung von technischen und künstlerischen Aspekten mit einer neuen, ganzheitlichen Philosophie des Bauens. Die beiden Vordenker moderner Architektur entschieden sich für das englische Wort „Design“, das zuvor eher ein Fachausdruck technischer Zeichner gewesen war.

Das „Staatliche Bauhaus“ war 1919 als Kunstschule in Weimar gegründet worden. Lang und beeindruckend ist die Liste der Künstler, die dort in den 1920er Jahren lehrten, darunter so große Namen wie Klee und Kandinsky. In der Stadt Dessau steht noch heute das in diesem Geist errichtete Gebäude des Bauhauses, quasi der Prototyp jener Architekturrichtung.

Kritiker haben die herbe Sachlichkeit und strenge Schlichtheit dieses Baustils zuweilen als kalt und unmenschlich bezeichnet. Und manche Zeitgenossen verwechseln noch heute den echten Bauhaus-Stil mit primitiven Schwundformen, die sich tatsächlich in seelenlosen gleichförmigen Betonkästen ausdrückten, den in Deutschland berüchtigten „Plattenbauten“ aus vorfabrizierten Betonplatten.

Zwar ist es richtig, dass die starke Fokussierung auf Funktion und Sachlichkeit schon den Keim zur Entwicklung eines solchen rohen, gefühllosen Brutalismus in sich trug. Die ursprüngliche Idee war aber alles andere als hart und menschenfeindlich. Das Bauhaus brachte vielmehr noch heute interessante Lösungen hervor, wie zum Beispiel die optimale Nutzung natürlicher Materialien und eine durchdachte natürliche Lüftung – Elemente, die man übrigens auch im traditionellen Bauen in Japan findet.

Manche Anregungen und Ideen des Bauhauses können also heute wieder aktuell werden, in Zeiten, in denen das ökologische, energiesparende Bauen immer wichtiger wird.


Martin Eberts

(erschienen in der Abendsausgabe der Artikelreihe Kobe Shimbun am 01.06.2021)

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