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Die Wächter

Wächter 2

Wächter 2, © Deutsche Botschaft Tokyo

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Die beiden in Stein gehauenen Wächter - sie mögen ihren weiten Weg in den Garten aus China oder Korea genommen haben - sind Symbolfiguren der Philosophie des Konfuzius.

Die beiden in Stein gehauenen Wächter - sie mögen ihren weiten Weg in den Garten aus China oder Korea genommen haben - sind Symbolfiguren der Philosophie des Konfuzius.

Das Gedankengut des chinesischen Weisen bildete die dritte Säule des Tokugawa-Staates, ohne - in typisch japanischer Form - Shinto als Volksglauben und den universalen Mystizismus des Buddhismus außer Kraft zu setzen. Dennoch brachte die konfuzianische Philosophie ein neues säkulares Element ein, das den Neugründer der feudalen Ordnung, Tokugawa Ieyasu, und seine Nachfolger befähigte, das ganze Inselreich von Edo aus nach einheitlichen, die Partikulargewalten übergreifenden Prinzipien zu verwalten. Auf diese Weise wurde der Kriegeradel innerhalb der strengen Hierarchie des feudalen Herrschaftsystems in eine bürokratische Elite umgeformt.

Der denkende Mensch wurde angeleitet, in der sozialen Ordnung das Walten einer kosmischen Vernunft wiederzuerkennen und die eigenen geistigen und sittlichen Kräfte in den Dienst dieser Harmonie zu stellen. Die konfuzianischen Gelehrten - an der Spitze die Familie Hayashi -, die in beratender Funktion hohe Ränge in der Tokugawa Administration innehatten, erhoben die Forderung nach einer „humanen Regierung“, der sich auch die Machthaber der Feudalgewalt geistig unterzuordnen hatten

So idealistisch und moralistisch dieses Postulat gewesen sein mag: Es eröffnete den Weg zur Toleranz, zum geregelten Nebeneinander der Schwertadelskaste und des im Zuge der Verstädterung und des Merkantilismus an Einfluß gewinnenden Bürgertums. Unter der geistigen Führung der Konfuzianer bildete sich neben dem „Weg des Kriegers“ ein - in der Substanz ebenbürtiger - „Weg der Städter“ aus.

Diese Modelle haben im Modernisierungsprozeß nach der Landesöffnung fortgewirkt und bilden noch heute den Kern der japanischen Tradition.

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