Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Der Stein

Artikel

Dem Teehaus gegenüber steht ein Stein, in den das Bild des Patriarchen Bodhidharma (japanisch: Daruma) eingemeißelt ist, der den Meditationsbuddhismus (Zen) von Indien nach China gebracht hat.

Daruma-Stein
Daruma-Stein© Deutsche Botschaft Tokyo

Dem Teehaus gegenüber steht ein Stein, in den das Bild des Patriarchen Bodhidharma (japanisch: Daruma) eingemeißelt ist, der den Meditationsbuddhismus (Zen) von Indien nach China gebracht hat. Seine Gestalt ist von Legenden umwoben, doch können seine Existenz und indische Herkunft als gesichert angesehen werden.

Nach langer, mühevoller Reise war Bodhidharma in Südchina an Land gegangen. Er zog jedoch bald nach Norden, wo er wahrscheinlich mehr als vierzig Jahre für die Verbreitung seiner Lehre wirkte. Im Tempelkloster Shaolin auf dem Berge Sung in Honan, einem der sogenannten fünf heiligen Gipfel Chinas, soll Bodhidharma neun Jahre lang meditierend vor einer Wand gesessen haben, so daß ihm die Beine abfaulten.

Bei dem in der Inschrift erwähnten Tempel Lu handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen kleineren Tempel auf dem Areal des Shaolin. Zu den in der Inschrift genannten Personen waren keine Angaben zu ermitteln, bei einer ist der Name unlesbar geworden. Bodhidharmas Todesjahr muß vor dem Jahre 534 n. Chr. liegen. Auf seinem Weg nach Norden soll Bodhidharma den Yangtse auf einem Riedstengel überquert haben. Dies wurde zum häufig dargestellten Motiv der bildenden Kunst und Dichtung aus dem Geiste des Zen

Übersetzt lautet die Inschrift: Hui Wang stiftete das Geld; (gedichtet von) Li Chung-sheng (Künstlername), Chin-p´ing-shushih ("Scholar vom Wandschirm aus Brokat"?)

Titel: "Ein Ried brechen und über den Strom setzen"

"Was trägt der lange Strom den götterhaften Mönch?
Über setzt er nach Norden auf barmherziger Fahrt, um (die Lehre vom) großen Fahrzeug zu verbreiten.
Willst du seinen Geist ergründen, schau auf das Ried, das er sich brach:
Kostbare Opfergaben wie (Buddhas aus) weißem Sandelholz trüben (nur die Schau des Wesentlichen, wie) das Yen-leng (sie beschreibt)."

Die Abbildung und das Gedicht auf dem Stein, das im Mittelpunkt der Inschrift steht, sind ein Beispiel hierfür, auch wenn das Ried unter den Füßen des Patriarchen nur angedeutet ist. Das Gedicht besteht aus vier Versen zu je sieben Schriftzeichen (chinesisch: ch'i-yen chueh-chu). Diese sind in der schwer zu lesenden sogenannten Grasschrift geschrieben, einer stark kursiven, die vielen Einzelstriche des orthodoxen Schriftstils zu kühnen Schwüngen vereinfachenden Kalligraphie, die anderen Eintragungen auf dem Stein jedoch in der Normalschrift. Auf der Rückseite des Steins finden sich keinerlei Eintragungen.

Zur deutschen Übersetzung des Gedichtes ist anzumerken:
1. Der Geist, der ergründet werden soll (Vers 3), kann sowohl der des Verkünders selbst als der Geist der Lehre sein;
2. Vers 4 spielt höchstwahrscheinlich auf ein Sutra an, wahrscheinlich das Suramgama-Sutra. Im chinesischen Text sind die beiden Schriftzeichen dafür offenbar aus Reimgründen in ihrer Reihenfolge vertauscht worden.
3. Alles Eingeklammerte ist vom Übersetzer ergänzt.
4. Die Voraussetzungen für die deutsche Übersetzung schufen mit ihrer freundlichen Hilfe die Herren Prof. M. Ohmuro und B. Osumi.

Das Gedicht selbst ist nach Meinung von Kennern kein besonders hervorragendes Beispiel der Zen-Dichtung. Gerade dies könnte jedoch als Indiz für die Echtheit des Steins gelten: Raffinierte Fälscher hätten gewiß einen bedeutenderen Poeten zu verpflichten gewußt, als der Autor der vorliegenden Verse es war: Ch'ung Ch'en schrieb (die Inschrift). An einem Glückstag des zweiten Monats des Jahres 22 der Ära Chia-ching der Großen Ming (-Dynastie) (1543) stellte der Adept NN aus dem Tempel Shaolin, Lu, (diesen) Stein auf.

Verwandte Inhalte

nach oben