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Der Fuchsschrein

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Die Betrachtung des Inari-Schreins, in dem mit Beginn der Edo-Zeit die Göttin der Fruchtbarkeit und des Reisbaus verehrt wurde, führt uns weit zurück in die mythischen Zeiten des japanischen Volksglaubens.

Fuchsschrein
Fuchsschrein© Deutsche Botschaft Tokyo

Die Betrachtung des Inari-Schreins, in dem mit Beginn der Edo-Zeit die Göttin der Fruchtbarkeit und des Reisbaus verehrt wurde, führt uns weit zurück in die mythischen Zeiten des japanischen Volksglaubens.

Der Sage nach zeugten die Urgottheiten Izanagi und Izanami die japanischen Inseln und „Myriaden Götter“, von denen die Sonnengöttin Amaterasu und der Sturmgott Susanoo zentrale kultische Bedeutung erlangten. In diesem Pantheon wurde als Verkörperung der Vitalität und des Gedeihens der Saat die Göttin Uga no mitama verehrt, der im Shinto-Brauchtum die Rolle einer Nothelferin in allen Lebenslagen zufiel.

Sie sollte nicht nur den Bauern zu einer guten Ernte verhelfen, sondern auch den Handwerkern und Händlern zum Gelingen ihres Geschäfts und den Frauen zum Kindersegen. Bei dieser vielseitigen Caritas halfen ihr nicht weniger als zehn Haupt-und neun Nebengottheiten. Ihr Sendbote war der schlaue und schnelle Fuchs, dessen Holzskulptur hier unter dem Vordach des Schreins zu bewundern ist.

Alle diese Schreine hatten eine Gemeinde von Anbetern, für die sie - außer den geschilderten Hilfsdiensten - eine bestimmte Schutzfunktion erfüllten. So übernahm еnser Inari„ in der ersten Etappe seiner Geschichte zu Beginn der Tokugawa-Zeit die Aufgabe, einen Heilkräutergarten des Obersten Feudalherrn vor bösen Einflüssen zu bewahren und avancierte Mitte des 17. Jahrhunderts zum Schutzpatron des in der Nähe erbauten Sommerpalastes des Hohen Herrn, des sog. “Silbernen Pavillions„.

Nach dessen Verfall unterstellten sich Samurai-Familien, die sich auf dem Palast-Grundstück niedergelassen hatten, seiner Obhut. Darüber hinaus verschaffte ihm seine schöne Lage, die einen Blick auf den Fuji (Fujimi) eröffnete, Beliebtheit unter der Bevölkerung von Edo, die an Schönwetter- und Feiertagen zu ihm wallfahrte. Sein Eigenname - Fujimi Inari - fand sich daher bis ins ausgehende 19. Jahrhundert auf allen Stadtplänen von Edo. Heute gibt er den Besuchern des Residenz-Gartens Kunde von der magischen Verbindung des japanischen Volkes mit der Lebensfülle der Natur.

Durch einen Chronisten ist uns überliefert, daß die Umgebung der Botschaft 1832 ein beliebtes Ausflugsziel der Bürger von Edo war. In einem Reiseführer der Stadt Tokyo des Jahres 1907 heißt es: „Dieses Viertel heißt auch Tsukushigaoka ... es erinnert noch heute mit seinen Wiesen und Bächen an die Landschaft des alten Musashino“. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts - vor der kaiserlichen Restauration von 1868 - entwickelte sich Azabu - wohl wegen der Schönheit der Wohngegend, der Nähe zum Hafen und der gehörigen Distanz zum Regierungssitz des Obersten Feudalherrn - zum Diplomaten-Viertel.

Die amerikanische Gesandtschaft war in dem (oben erwähnten) Zempukuji untergebracht, die Briten im Tôzenji und die Holländer im Shimpukuji. 1866 zog die preußische Vertretung ins Shunto-in. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich die erste Vertretung der Bundesrepublik Deutschland wieder in Azabu (HIGASHI TORIIZAKA) nieder, nachdem die Deutsche Botschaft in Kojimachi in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 1945 durch Bomben zerstört worden war. In den Jahren 1957 und 1960 wurden schließlich - mit dem Garten als Zentrum - die neue Botschafter-Residenz und die Kanzlei erbaut.Die historischen und kunstgeschichtlichen Angaben beruhen auf den Mitteilungen der Herren Koji Kubota, Motoaki Tawara, Shizuo Isobe, Mikio Ohmuro und Dr. Karl F. Zahl.

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