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Der Residenzgarten

Residenz

Residenz, © Deutsche Botschaft Tokyo

Artikel

Wer seinen Fuß in den Garten der Residenz des Deutschen Botschafters in Tokyo setzt, betritt alten Kulturboden Japans. Archäologische Funde in der Nachbarschaft des Gartens - Muschelreste aus dem Neolithikum und ein Tumulus-Grab der Yayoi-Zeit (350 v. - 250 n. Chr.) bezeugen, daß sich hier schon einige Jahrtausende vor unserer Ära Menschen angesiedelt und die Gunst des Ortes genutzt hatten. Es mußten aber viele Jahrhunderte vergehen, bis die Höhenlage und die Nähe zum Pazifischen Ozean im 15. Jahrhundert von einem Gefolgsmann des Adelshauses Uesugi für den Bau einer Befestigungsanlage ausersehen wurden. Von diesem Stützpunkt aus eroberte er für seinen Herrn die gesamte Kanto-Ebene. Als dann 1590 die mächtige Familie der Hojo gestürzt wurde und das Inselreich in die Gewalt des Tokugawa-Hauses übergegangen war, baute der neue Reichsverweser Tokugawa leyasu in diesem Neuland des „Ostens“ die Burg von Edo.

Der heutige Garten der Botschaft, damals eine gute Wegstunde im Süden der Tokugawa-Festung gelegen, wechselte in den drei Jahrhunderten bis zur Ankunft des Admirals Perry vor den Toren Edos (1853) oft den Besitzer, bis in der Meiji-Zeit ein japanischer Politiker von Rang ihn erwarb und - vom „genius loci“ fasziniert - hier einige von ihm gesammelte Denkmäler und Kunstwerke aufstellte. Er hat damit dem Besucher des Residenz-Gartens dazu verholfen, bei einem Rundgang einen Blick die Kulturgeschichte des japanischen Nordens zu werfen: von einer Stätte des japanischen Volksglaubens, des Shinto, bis zu buddhistischen Denkmälern und architektonischen Zeugen der Tokugawa-Zeit. Die hier wiedergegebenen Kunstwerke und Bauten vermitteln einen Eindruck von der Schönheit des Gartens und dem Glanz der japanischen Kultur

Der Charakter der gärtnerischen Anlage wird, wie fast alle japanischen Gärten, weniger durch Blumen als durch blühende Gehölze und Bäume geformt. Der Erwerb und die künstlerische Eingliederung der Bauten, Statuen und Steinmetz-Arbeiten in die Gartenlandschaft ist das Verdienst eines kunstsinnigen Sammlers: des einflußreichen Politikers Sakutaro Koizumi, der nach dem Ersten Weltkrieg das heutige Botschaftsgrundstück erwarb.

Die Eingangspforte zum Besitz eines Schwertadligen, die heute den Ostausgang des Residenzgartens ziert, versetzt den Beschauer in die Welt des japanischen Lehnswesens. Edo, 1603 zum Herrschaftssitz der Tokugawa-Familie erwählt, stieg auf zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum der Tokugawa-Periode, welche die Traditionen von Kamakura, jedoch mit größerer Machtvollkommenheit, fortsetzte. Die Familie des Generalissimus verfügte über ein Reiseinkommen von rd. sieben Millionen Koku (Hohlmass von 1801) bei einem Reisertrag von 20 Millionen Koku in ganz Japan. In den Rest teilten sich 260 dem Shogun zur Gefolgschaft verpflichtete Feudalherren. Für die im Bannkreis dieses Reichtums lebenden Handwerker und Händler begann im 17. Jahrhundert eine Zeit der besseren Überlebenschancen und - fallweise - eines bescheidenen Wohlstandes.

Schwertadlige, die aus der Leibgarde des Ieyasu hervorgingen(und deren Lebenshaltungsniveau etwa durch unser Tor symbolisiert wird) regierten als Richter, Polizeidirektoren und Finanzbeamte in den 25 Verwaltungsbezirken Edos.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts vermehrte sich die Bevölkerung der Stadt auf eine Million Einwohner. Einen Abglanz dieser Machtentfaltung erlebten die Bewohner des Stadtviertels Azabu, als der fünfte Shogun Iemitsu (1646-1680) einen Sommersitz im Flußtal des Furukawa, südöstlich des Botschaftsgeländes, errichtete. Es zeugt von dem Ausmaß dieses Projekts, daß der Oberste Feudalherr den Furukawa regulieren ließ, um das Bauholz aus dem Hafen leichter heranschaffen zu können. Seit dieser Zeit siedelten sich in der Umgebung des „Silber-Palastes“ Samurai-Familien an, durch deren Hände auch der Besitz des Botschaftsgrundstückes ging. An der Straße, die heute am Gelände der Botschaft entlangführt - dem Nambuzaka (Nambu-Hügel, nach einem der größten Anlieger benannt) reihten sich die Wohnsitze von Schwertadelsfamilien. Aus den Urkunden der Shogunatsverwaltung geht hervor, daß das Botschaftsgrundstück 1673 einer Familie Saogusa gehörte. Nachdem der Platz im 18. Jahrhundert mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, übernahm ihn 1816 eine Familie Sakai. Azabu war also ein etwas vom Lärm des Stadt Zentrums abgelegenes Wohnviertel, eine ländliche ldylle, in dem man (wie ein Chronist berichtet) „Heilkräuter sammeln und dem Zirpen der Insekten lauschen konnte“.

Weitere Informationen

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