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Wirtschaft

Stand: Juli 2018

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China laut Weltbank die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das nominale BIP lag 2017 bei 4.870 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan mit einer Bevölkerung von 126,7 Mio. Einwohnern rund 6% des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf (nominal) ist mit 38.440 USD (2017) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur (Quelle: Internationaler Währungsfonds, 2018)

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die exportorientierte und innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Der Exportsektor erhielt durch die Geldpolitik der Regierung Abe mit einer einhergehenden Schwächung des Yen Unterstützung. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, ab 2009 nahm China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA ein. Seit 2015 sind wieder die USA wichtigstes Hauptabnehmerland vor China (Quelle: GTAI, 2016)

Lage der japanischen Wirtschaft

Unter Premierminister Abe strebt die Regierung ein Ende der langjährigen Deflation und die Revitalisierung der Wirtschaft durch eine dreiteilige Strategie an, den sogenannten „Abenomics“ (expansive Geld-, flexible Fiskal- und Strukturreformpolitik). Seit 2012 befindet sich Japan in einer der längsten Wachstumsphasen der Nachkriegsgeschichte, wenn auch teilweise auf niedrigem Niveau. Das Wirtschaftswachstum konnte allerdings nicht gehalten werden und lag 2015 und 2016 unter 1 %. Für 2017 und 2018 wird dank guter Weltkonjunktur und anziehender Binnennachfrage mit einer Wachstumsrate von über 1% gerechnet. Es ist anzunehmen, dass der fiskalische Spielraum der japanischen Regierung aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (rd. 240% des BIP, IWF World Economic Outlook Database, Oktober 2017) geringer ist, als der neue Rekordhaushalt 2018 (97,7 Bil JPY = 750 Mrd. €) glauben macht. Vom ursprünglichen Ziel, bis 2020 den Haushalt auszugleichen, verabschiedete sich die Regierung inzwischen zu Gunsten einer Zielerreichung im Jahr 2027. Vor etwa fünf Jahren läutete die japanische Zentralbank (BoJ) eine erhebliche quantitative Lockerung ein. Sie entschied, die monetäre Basis vorwiegend durch den Kauf japanischer Staatsanleihen zunächst im Umfang von 60 – 70 Bil. JPY und ab November 2014 um 80 Bil. JPY (605 Mrd. €) pro Jahr auszuweiten. Zwischenzeitlich sank das Ankaufsvolumen, offiziell ist die Zielgröße jedoch nach wie vor 80 Bil. Yen. Die geldpolitische Lockerung ließ die Bilanz der BoJ auf 529,9 Bil. JPY ansteigen. Rd. 85% des Vermögens der BoJ sind Staatsanleihen (Quelle: BoJ).

Dennoch liegt die Inflationsrate noch weit vom 2%-Ziel entfernt. Ende 2017 kletterte die Inflation auf 1% (Oktober 2017: 0,2%). Die Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) lag im März 2018 bei 0,5% . Die BoJ hofft zwar weiterhin, das bereits mehrmals verschobene Inflationsziel um das Fiskaljahr 2019 zu erreichen, der bisherige Zeitrahmen wurde allerdings im April 2018 aufgehoben, um die Markterwartungen zu dämpfen.

Internationale Investoren fordern einen klaren fiskalischen Konsolidierungsplan und die schnelle Umsetzung der angekündigten Strukturreformen. Dazu gehört auch die Erhöhung des Anteils der Frauenerwerbsquote. 
Quelle: GTAI, 2017,  IMF Country Report: Japan (2017)

Außenhandel

Die 2011 durch die erhöhten Öl- und Gasimporte nach Abschalten der KKW und die Geldpolitik Abes ausgelöste Serie der Rekorddefizite in der Handelsbilanz (2014: -122 Mrd. USD) wurde 2015 beendet. 2017 betrug der Handelsbilanzüberschuss 27 Mrd. USD. Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet. (Quelle: GTAI, 2017)

Trotz des Wiederanfahrens einiger Kernreaktoren bleibt Japan weiterhin abhängig von der Einfuhr von Rohöl, LNG und Kohle.

Japan konnte die Verhandlungen zu zwei wichtigen Handelsverträgen abschließen. Die seit 2013 laufenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen haben Japan und die EU Ende 2017 erfolgreich abgeschlossen. Es soll – nach den Ratifizierungen 2018 auf beiden Seiten – 2019 in Kraft treten. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wurde besonders der Abschluss des TPP (Trans-Pacific Partnership)-Abkommens im Oktober 2015 positiv gesehen. Nach dem Rückzug der USA aus dem TPP (Trans-Pacific Partnership)-Abkommen haben sich die 11 verbliebenen Staaten, darunter Japan, im März 2018 das in einigen Punkten nachverhandelte Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) unterzeichnet. Darüber hinaus verhandelt Japan das RCEP (Regional Economic Comprehensive Partnership) Abkommen  mit zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten mit sechs weiteren Staaten.

Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2011 kontinuierlich von 26 Mrd. USD auf 206 Mrd. USD angewachsen. Nach spürbaren Einbrüchen 2012/2013 hat sich der Bestand 2016 wieder auf 186,7 Mrd. USD erholt. Verschiedene Bemühungen, die Quote der Auslandsinvestitionen auf 5% des BIP zu steigern, blieben bislang ohne Erfolg: Japan liegt mit 2,7% deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 45% (Deutschland: 1,8%) und die USA mit 27,4%. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 1.359 Mrd. USD (2016) die ausländischen Investitionen in Japan um ein Vielfaches übersteigen. In den vergangenen Jahren haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee kontinuierlich ausgebaut. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) erreichten die japanischen Auslandsinvestitionen 2017 mit rund 169 Mrd. USD fast den Rekordwert des Vorjahrs von 174 Mrd. USD (2014 und 2015 jeweils 138 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch breiter gestreut. Als Zielregionen dominieren die EU (33%, Deutschland: 2,8%) und die USA (31%).

Quellen: GTAI 2017, JETRO 2017
https://www.jetro.go.jp/en/reports/statistics/

OECD DAC 2018 (preliminary data)

MOFA Budget Draft FY 2018; 2017

Entwicklungszusammenarbeit

Unter dem Leitmotiv 'Proactive Contribution to Peace' soll Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als eines der „wichtigsten Mittel der japanischen Diplomatie zur Lösung globaler Konflikte und zur Stabilisierung der internationalen Gemeinschaft beitragen, dabei aber auch Japans wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen dienen. Japan hält weiter an dem Grundsatz fest, dass politische Stabilität nach Möglichkeit ohne militärische Einsätze erreicht werden soll und wird weiterhin keine EZ-Mittel für ausländische Armeen zur Verfügung stellen. Japan unterstützt Entwicklungs- und Schwellenländer bei der polizeilichen Sicherung von Küsten, Grenzen und Seewegen sowie bei der Terrorismusbekämpfung.
Das zum Großteil vom japanischen Außenministerium verwaltete EZ-Budget liegt 2018 mit etwa 554 Mrd. Yen (4,2 Mrd. EUR) leicht über dem Vorjahresniveau (552,7 Mrd. Yen). Der Schwerpunkt der bilateralen EZ liegt weiterhin beim Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur. Mit einem EZ-Anteil  am BIP von 0,23%  liegt JPN hinter der Zielmarke von 0,7%. Innerhalb des OECD-DAC lag Japan 2017 an vierter Stelle. Das Gesamtvolumen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) war 2017 mit rd. 11,9 Mrd. USD etwa halb so hoch wie in  Deutschland (knapp 23,8 Mrd. USD). 2018 wird das ODA-Gesamtvolumen voraussichtlich 13,3 Mrd. USD betragen.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann dennoch nicht übernommen werden. 

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