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Wirtschaft

Stand: November 2017

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China laut Weltbank die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das nominale BIP lag 2016 bei 4.939 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan mit einer Bevölkerung von 126,9 Mio. Einwohnern rund 5,9% des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf (nominal) ist mit 38.917 USD (2016) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur.
Quelle: GTAI, 2017
Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die exportorientierte und innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Der Exportsektor wurde durch die Geldpolitik der Regierung Abe mit einer einhergehenden Schwächung des Yen privilegiert. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, ab 2009 nahm China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA ein. Seit 2015 sind wieder die USA wichtigstes Hauptabnehmerland vor China.
Quelle: GTAI, 2016

Lage der japanischen Wirtschaft

Seit dem Amtsantritt von Premierminister Abe im Dezember 2012 verfolgt die Regierung einen Kurs wirtschaftspolitischer Expansion, um die Periode langjähriger Deflation zu überwinden. Der fiskalische Manövrierspielraum der japanischen Regierung scheint aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (fast 250% des BIP, IWF-Definition) eher gering. Premierminister Abe strebt ein Ende der Deflation und die Revitalisierung der Wirtschaft durch eine dreiteilige Strategie, den sogenannten „Abenomics“ an (expansive Geld-, flexible Fiskal- und Strukturreformpolitik). Seit 2012 befindet sich Japan in einer der längsten Wachstumsphasen der Nachkriegsgeschichte, wenn auch teilweise auf niedrigem Niveau. Auf Grund des Ausbleibens wichtiger Strukturreformen konnte das Wirtschaftswachstum nicht gehalten werden und lag 2015 und 2016 bei 0,5%. Für 2017 wird dank guter Weltkonjunktur und anziehender Binnennachfrage mit einer Wachstumsrate von über 1% gerechnet. Der Export zieht auch nur langsam wieder an, da Japan weiterhin auf Energieimporte auf Grund der stillgelegten Kernkraftwerke setzen muss. Nur zögerlich steigende Löhne und niedrige Energiepreise halten Preissteigerungen weiterhin auf niedrigem Niveau. Die Zentralbank, Bank of Japan, hält langfristig aber am Inflationsziel von 2% fest.
Die Bank of Japan hat nach der Ausweitung ihres Ankaufsprogramms  im Oktober 2014 japanische Staatsanleihen im Umfang von 80 Bil. Yen (rd. 700 Mrd. €) jährlich gekauft.  Das hat dazu geführt, dass das Verhältnis von Geldmenge zu BIP im Sommer 2016 bei ca. 80% lag - im Vergleich zu ca. 20% in der Eurozone und ca. 21% in den USA.
Internationale Investoren fordern einen glaubwürdigen fiskalischen Konsolidierungsplan und die schnelle Umsetzung der angekündigten Strukturreformen. Dazu gehört auch die Erhöhung des Anteils der Frauenerwerbsquote. 
Quelle: GTAI, 2017,  IMF Country Report: Japan (2017)

Außenhandel

Die 2011 durch die erhöhten Öl- und Gasimporte nach Abschalten der AKWs und die Geldpolitik Abes ausgelöste Serie der Rekorddefizite in der Handelsbilanz (2014: -122 Mrd. USD) wurde 2015 beendet und 2016 wieder in den positiven Bereich gewendet (+ 38 Mrd. USD). Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet. 
Quelle: GTAI, 2017
Die im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 23% gesunkenen Importe sind u.a. auf die anhaltend niedrigen fossilen Brennstoffpreise (vor allem bei Flüssiggas - LNG und Rohöl) zurückzuführen. Trotz des Wiederanfahrens einiger Kernreaktoren (2014 waren alle Kernkraftwerke abgeschaltet) bleibt Japan weiterhin abhängig von der Einfuhr von Rohöl, LNG und Kohle.
Im März 2013 haben Japan und die EU mit den Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen begonnen. Die EU hat ein Freihandelsabkommen mit Japan im Juli 2017 im Grundsatz abgeschlossen; Details werden noch verhandelt. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wurde besonders der Abschluss des TPP (Trans-Pacific Partnership)-Abkommens im Oktober 2015 positiv gesehen. Durch den Ausstieg der USA ist sein Wirksamwerden allerdings fraglich geworden. TPP soll unter den verbliebenen Staaten in einigen Bereichen neu verhandelt werden. Darüber hinaus verhandelt Japan das RCEP (Regional Economic Comprehensive Partnership) Abkommen  mit zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten mit sechs weiteren Staaten.

Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2011 kontinuierlich von 26 Mrd. USD auf 206 Mrd. USD angewachsen. Nach spürbaren Einbrüchen 2012/2013 hat sich der Bestand 2016 wieder auf 186,7 Mrd. USD erholt. Verschiedene Bemühungen, die Quote der Auslandsinvestitionen auf 5% des BIP zu steigern, blieben bislang ohne Erfolg: Japan liegt mit 2,7% deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 45% (Deutschland: 1,8%) und die USA mit 27,4%. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 1.359 Mrd. USD (2016) die ausländischen Investitionen in Japan um ein Vielfaches übersteigen. In den vergangenen Jahren haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee kontinuierlich ausgebaut, auch der durch die expansive Fiskalpolitik geschwächte Yen konnte diesen Trend nicht brechen. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) erreichten die japanischen Auslandsinvestitionen 2016 mit rund 170 Mrd. USD einen neuen Rekordwert (2014: 138 Mrd. USD, 2015: 136 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch breiter gestreut. Als Zielregionen dominieren auch hier die EU (23,9%, Deutschland: 1,6%) und die USA (33,4%).

Quellen: GTAI 2017, JETRO 2017
https://www.jetro.go.jp/en/reports/statistics/

Entwicklungszusammenarbeit

Unter dem Leitmotiv 'Proactive Contribution to Peace' soll Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als eines der „wichtigsten Mittel der japanischen Diplomatie zur Lösung globaler Konflikte und zur Stabilisierung der internationalen Gemeinschaft beitragen, dabei aber auch Japans wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen dienen. Japan hält weiter an dem Grundsatz fest, dass politische Stabilität nach Möglichkeit ohne militärische Einsätze erreicht werden soll und wird weiterhin keine EZ-Mittel für ausländische Armeen zur Verfügung stellen. Japan unterstützt Entwicklungs- und Schwellenländer bei der polizeilichen Sicherung von Küsten, Grenzen und Seewegen sowie bei der Terrorismusbekämpfung.
Das zum Großteil vom japanischen Außenministerium verwaltete EZ-Budget liegt 2016 mit mehr als 550 Mrd. Yen (4,5 Mrd. EUR) leicht über dem Vorjahresniveau (542,2 Mrd. Yen). Der Schwerpunkt der bilateralen EZ liegt weiterhin beim Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur. Anteil der EZ von 0,2% am BIP. Innerhalb des OECD-DAC lag Japan 2015 an vierter Stelle. Das ODA-Gesamtvolumen (rd. 9 Mrd. USD) betrug 2015 rd. die Hälfte Deutschlands (knapp 18 Mrd. USD).
Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann dennoch nicht übernommen werden. 

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