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Wirtschaft

Stand: November 2018

Grundlagen

Japan ist nach den USA und der VR China laut Weltbank die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft. Das nominale BIP lag 2017 bei 4.870 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan mit einer Bevölkerung von 126,7 Mio. Einwohnern rund 6 % des Welt-BIP. Das BIP pro Kopf (nominal) ist mit 38.440 USD (2017) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur.

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die exportorientierte und innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Der Exportsektor erhielt durch die Geldpolitik der Regierung Abe mit einer einhergehenden Schwächung des Yen Unterstützung. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, ab 2009 nahm China die Position des größten japanischen Abnehmers noch vor den USA ein. Seit 2015 sind wieder die USA Hauptabnehmerland vor China.

Lage der japanischen Wirtschaft

Unter Premierminister Abe strebt die Regierung ein Ende der langjährigen Deflation und die Revitalisierung der Wirtschaft durch eine dreiteilige Strategie an, den sogenannten „Abenomics“ (expansive Geld-, flexible Fiskal- und Strukturreformpolitik). Seit 2012 befindet sich Japan in einer der längsten Wachstumsphasen der Nachkriegsgeschichte, wenn auch teilweise auf niedrigem Niveau. Das Wirtschaftswachstum lag 2015 und 2016 unter 1 %. 2017 stieg die Wachstumsrate auf über 1 % und wird laut Regierungsprognosen auch 2018 über 1 % liegen.

Der fiskalische Spielraum ist begrenzt. Die Schuldenstandsquote liegt bei 240 % des BIP (IWF World Economic Outlook Database, Oktober 2017). Das Ziel, in 2020 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, wurde im Sommer auf 2025 verschoben. Haushaltskonsolidierung ist jedoch nicht in Sicht: Nach dem 6. Rekordhaushalt in Folge für das Fiskaljahr 2018 zeichnet sich für 2019 ein weiterer Rekordhaushalt ab.

Im Frühjahr 2013 erhöhte die BoJ ihr Inflationsziel auf 2 % - zu erreichen binnen zwei Jahren. Seitdem läutete die japanische Zentralbank (BoJ) eine erhebliche quantitative Lockerung ein. Sie entschied, die monetäre Basis vorwiegend durch den Kauf japanischer Staatsanleihen zunächst im Umfang von 60 – 70 Bil. JPY und ab November 2014 um 80 Bil. JPY (rd. 614 Mrd. €) pro Jahr auszuweiten. Im September 2016 änderte die BoJ ihre geldpolitische Strategie und rückte die Kontrolle der Zinskurve in den Vordergrund (Quantitative und Qualitative Lockerung mit Zinskurvenkontrolle). Infolgedessen sank zwar das Ankaufsvolumen, offiziell ist die Zielgröße jedoch nach wie vor 80 Bil. Yen. Die geldpolitische Lockerung ließ die Bilanz der BoJ auf 551,7 Bil. JPY ansteigen – auf über 100 % des BIP. Das zwischenzeitlich mehrfach verschobene Inflationsziel liegt noch immer in weiter Ferne. Im Juli lag die Inflationsrate bei 0,9 % (Juli 2017: 0,4 %). Die Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) lag im Juli bei 0,3 %.

Außenhandel

Die 2011 durch die erhöhten Öl- und Gasimporte nach Abschalten der KKW und die Geldpolitik Abes ausgelöste Serie der Rekorddefizite in der Handelsbilanz (2014: -122 Mrd. USD) wurde 2015 beendet. 2017 betrug der Handelsbilanzüberschuss 27 Mrd. USD. Von 1970 bis 2010 hatte Japan durchgehend Handelsbilanzüberschüsse verzeichnet.

Trotz des Wiederanfahrens einiger Kernreaktoren bleibt Japan weiterhin abhängig von der Einfuhr von Rohöl, LNG und Kohle.

Japan und die EU haben am 17. Juli 2018 ein Wirtschaftspartnerschaftsabkommen unterzeichnet, das neben dem Abbau von Zöllen auch Regelungen zur Nachhaltigkeit und Sozialstandards vorsieht. Es soll nach den Ratifizierungen auf beiden Seiten im Frühjahr 2019 in Kraft treten. Nach dem Rückzug der USA aus dem TPP (Trans-Pacific Partnership)-Abkommen haben die 11 verbliebenen Staaten, darunter Japan, im März 2018 das in einigen Punkten vom TPP durch Nachverhandlungen abweichende Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) unterzeichnet. Darüber hinaus wünscht Japan den Abschluss des RCEP (Regional Economic Comprehensive Partnership) Abkommen mit zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten und sechs weiteren Staaten.

Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2011 kontinuierlich von 26 Mrd. USD auf 206 Mrd. USD angewachsen. Nach spürbaren Einbrüchen 2012/2013 hat sich der Bestand 2016 wieder auf 186,7 Mrd. USD erholt. Verschiedene Bemühungen, die Quote der Auslandsinvestitionen auf 5 % des BIP zu steigern, blieben bislang ohne Erfolg: Japan liegt mit 2,7 % deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern. Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind Europa mit 45 % (Deutschland: 1,8 %) und die USA mit 27,4 %. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 1.359 Mrd. USD (2016) die ausländischen Investitionen in Japan um ein Vielfaches übersteigen. In den vergangenen Jahren haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee kontinuierlich ausgebaut. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) erreichten die japanischen Auslandsinvestitionen 2017 mit rund 169 Mrd. USD fast den Rekordwert des Vorjahrs von 174 Mrd. USD (2014 und 2015 jeweils 138 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch breiter gestreut. Als Zielregionen dominieren die EU (33 %, Deutschland: 2,8 %) und die USA (31 %).

Entwicklungszusammenarbeit

Unter dem Leitmotiv 'Proactive Contribution to Peace' soll Entwicklungszusammenarbeit (EZ) als eines der „wichtigsten Mittel der japanischen Diplomatie zur Lösung globaler Konflikte und zur Stabilisierung der internationalen Gemeinschaft„ beitragen, dabei aber auch Japans wirtschafts- und sicherheitspolitischen Interessen dienen. Japan hält weiter an dem Grundsatz fest, dass politische Stabilität nach Möglichkeit ohne militärische Einsätze erreicht werden soll und wird weiterhin keine EZ-Mittel für ausländische Armeen zur Verfügung stellen. Japan unterstützt Entwicklungs- und Schwellenländer aber bei der polizeilichen Sicherung von Küsten, Grenzen und Seewegen sowie bei der Terrorismusbekämpfung.

Das zum Großteil vom japanischen Außenministerium verwaltete EZ-Budget übersteigt 2018 mit etwa 554 Mrd. Yen (4,2 Mrd. EUR) ein wenig das Vorjahresniveau (552,7 Mrd. Yen). Der Schwerpunkt der bilateralen EZ liegt weiterhin beim Aufbau von Wirtschaft und Infrastruktur. Mit einem EZ-Anteil am BIP von 0,23 % bleibt JPN hinter der Zielmarke von 0,7 %. Innerhalb des OECD-DAC lag Japan 2017 an vierter Stelle. Das Gesamtvolumen der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit (ODA) war 2017 mit rd. 11,9 Mrd. USD etwa halb so hoch wie das deutsche (knapp 23,8 Mrd. USD). 2018 wird das ODA-Gesamtvolumen voraussichtlich 13,3 Mrd. USD betragen.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann dennoch nicht übernommen werden. 

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